Warum ich mit dem Optionshandel angefangen habe

Vielleicht fragst du dich, warum ich diesen Artikel schreibe. Es gibt bereits den Über-mich-Artikel hier im Blog. Ganz einfach. Dies ist ein kurzer und knapper Einstieg. Dieser Artikel soll meine Beweggründe detaillierter beleuchten.
Seitdem ich mich 2011 mit der Börse beschäftigt habe, war das ein zweigeteilter Prozess. Auf der einen Seite stand das solide Besparen von Aktien-ETFs, um Vermögen aufzubauen, was ich auch bis zum heutigen Tag fortgesetzt habe und auch weiter machen werde. Aber diese passive Art zu investieren war nicht das, was die Leidenschaft für die Börse als solche abdecken konnte.

Somit versuchte ich mich direkt an Aktien und auch Optionsscheinen und Knock-Out-Zertifikaten. Dazu findest du im Artikel Optionsscheine vs. Optionen bereits eine kleine Einordnung.
Ich habe in der Zeit alles Mögliche gehandelt. Ohne Struktur, was ich gerade mal irgendwo aufgeschnappt habe. Ein neues Buch gelesen – und unreflektiert umgesetzt. Mal hat es geklappt, mal nicht. Die Rendite war also bestenfalls null, aber in jedem Falle nicht konsistent und nicht replizierbar. Das reine Handeln hat zwar in gewisser Weise Spaß gemacht. Man hat sich viel mit der Materie Börse als solche auseinandergesetzt. Aber man möchte dann auch den Payoff erhalten. Ich habe versucht, mich an ein Regelwerk zu halten. Aber dann kam eine neue Webseite mit Tipps oder ein neues Buch. Ich brauchte also etwas Grundlegendes anderes, was aber für mich als solches funktionierte. 

Im besten Fall plus minus null – aber kein Grund ohne Struktur weiterzuhandeln

Warum Optionen – und nicht einfach Aktien?

Rückblickend hatten Aktien, Optionsscheine und Knock-Out-Zertifikate zwei entscheidende Nachteile. Einerseits muss ich bei der Auswahl des Titels Recht haben. Die Aktien mussten steigen oder fallen, wenn man Scheine auf fallende Kurse gehandelt hat. Und dann bitte auch so weit, dass ich wenigstens die Gebühren für Kauf und Verkauf reingeholt habe. Je nach Broker bzw. Bank: Der Handel war verglichen mit heute in den frühen 2010er Jahren doch recht teuer. Gerade wenn man erst mit kleineren Summen beginnt.
Andererseits muss man auch wissen, wann man die Gewinner ins Trockene holt. Ich muss gestehen, dass mir das immer noch schwerfällt, wenn keine zeitliche Begrenzung vorliegt und eine Aktie noch mal 20 oder 30 Prozent klettern könnte. Wann ist Schluss? Das sind alles Fragen, die ich mir stellen musste. Der Ausstieg im Verlust steht hier sogar noch auf einem ganz anderen Blatt Papier. Von dem Chance-Risiko-Verhältnis habe ich in der Anfangszeit noch nie etwas gehört und Bücher über Positions- und Risikomanagement gehörten damals noch nicht zu meinem Repertoire.Und hier kommen die Optionen ins Spiel. Ich muss hier vorweggreifen, um die Vorteile zu beleuchten, und komme dann darauf zu sprechen, wo sie mir begegnet sind und wie die weiteren Entwicklungsschritte waren.

Die Fallstricke im direktionalen Handel mit Aktien oder Scheinen konnte ich durch Optionen und im Speziellen durch das Stillhalten von Optionen aus dem Weg gehen. Warum ist das so? Zunächst erhalte ich ja eine fest vorgegebene Prämie beim Verkauf einer Option. 100% Maximalgewinn. Nun kann ich entscheiden, wie viel Prozent ich davon einstreichen möchte. Keine Hoffnung auf zusätzliche Bewegung, die möglicherweise 30% mehr einbringt. Und wann steige ich aus? Ganz einfach – spätestens, wenn die Laufzeit der Option abgelaufen ist. Ich musste mich praktisch nur noch um Risiko- und Positionsmanagement sowie die Auswahl des Basiswertes kümmern. Was sich leichter anhört als es ist. Und nicht mal die Richtung musste genau passen, halbwegs reichte völlig aus. Und irgendwie war das Gefühl, eine Prämie zu erhalten, also bezahlt zu werden, befriedigender als Geld für eine Aktie zu zahlen.

Dazu kam ich ca. 2015. Genau kann ich den Zeitpunkt nicht mehr festmachen. Ich wusste über einen Arbeitskollegen, dass ein anderer mir indirekt bekannter Arbeitskollege mit Optionen handelte. Und über diesen Weg habe ich von der Lern- und Tradingplattform Dough erfahren. Dies war eine Art Spin-off von TastyTrade aus den USA. Dough verwendet die eigene interaktive Plattform zum Erlernen der Mechaniken und verknüpft dies mit Lernvideos von TastyTrade.
Allerdings habe ich zu der Zeit noch nicht die Vorteile des Stillhaltens erkennen können. Was aber auch daran liegen mag, dass TastyTrade immer einen sehr mechanischen Handelsstil verfolgt. Demnach stand nicht das Stillhalten als solches im Vordergrund, sondern ein ganzheitlicher Ansatz. Quasi ein Kochbuch für jeden Tag. Die Verbindung konnte ich dann durch Videos von Jens Rabe herstellen. In 2018 und auch davor waren die Videos eine niederschwellige Anlaufstelle, um im deutschsprachigen Raum Wissen zu Optionen zu erhalten. Dort wurde seinerzeit viel Wissen kostenlos bereitgestellt. Darauf aufbauend hatte ich den Basiskurs absolviert, der genau das war. Eine Basis, von der man starten konnte.

TastyTrade

Wem TastyTrade nichts sagt. TastyTrade ist in den USA ein Frontrunner zum Thema Optionen für Privatanleger und hat umfangreiches Videomaterial auf YouTube. Besonders hervorzuheben sind die unzähligen Untersuchungen zu Optionen selbst, bestimmten Strategien und vielem mehr. Der Kanal ist ein Must-Watch, wenn man ein wenig Grundkenntnisse im Englischen hat.

Von dort aus ging es weiter gezielt Bücher, Videos oder auch, wenn möglich, Blogs zum Thema Optionen zu lesen. Nicht jede Quelle hat mich nach vorne gebracht. Aber manchmal reicht auch ein Gedankenanstoß für neue Impulse, um in eine neue Richtung gelenkt zu werden.

Die Wand

Ich habe inzwischen 2 Jahre praktische Erfahrung mit Optionen und bin nicht mehr auf den Aktienhandel zurückgefallen. Ich habe neue Strategien probiert und nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich mit Optionen auf Futures vertraut gemacht. In der Zeit habe ich mich insbesondere mit Fundamentaldaten im Futures-Segment vertraut gemacht. Terminstrukturkurve, Saisonalitäten sowie Commitment-of-Traders-Daten. Also die Positionierung professioneller Anleger in Bezug auf einen Basiswert – beispielsweise Erdöl oder den S&P 500 Aktienindex (SPX).
Auf Basis dieser Fundamentaldaten habe ich Anfang 2020 erkennen können, dass die Fundamentaldaten im SPX für einen Short-Trade sprechen. Das Coronavirus war zum Zeitpunkt der Orderaufgabe zwar kein Randthema mehr. Die Nachrichten, die später aus Italien kamen, fanden aber noch nicht statt. Die Geschichte ist bekannt. Die bekannte Welt kam zum Erliegen, Lockdowns waren verteilt über die ganze Welt und die Börse brach zusammen. Ich war im SPX short in einer zweigeteilten Position. Einerseits finanzierte ich mein Engagement als Stillhalter, bekam also Geld dafür. Die vereinnahmten Prämien investierte ich in Long Puts. Ich profitierte also doppelt von den fallenden Kursen. Sollte ich falsch liegen, hätte ich eine Risikobegrenzung auf der Oberseite eingezogen.


Der März verging und der Markt kannte nur eine Richtung – abwärts. Die Börse hat auf Panik geschaltet und die auflaufenden Gewinne nahmen beständig und exponentiell zu. Ich fühlte mich in meiner Positionierung absolut bestätigt. Und das Beste daran war, dass ich so tief im Gewinn war, dass ich ein wenig Einbruch im Falle einer Gegenbewegung hätte verkraften können. Denn die Bewegung, die der Markt seit der Tradeeröffnung gemacht hat, war wirklich komfortabel. Und genug Restlaufzeit hatte die Position alle Male.
Und dann war der 23. März. Rückblickend ist es der tiefste Stand der Pandemie und keineswegs ein positiver Tag. Aber es hat sicher etwas verändert. Der Markt hat keinen weiteren Absicherungsbedarf gesehen. Es wurden keine weiteren Long Puts gekauft. Mangels Nachfrage brach die implizite Volatilität schlagartig zusammen. Und auf der impliziten Volatilität fußte mein ganzer Berg an Gewinnen. Und mit dieser Erosion schmolz der Berg schneller, als ich reagieren konnte. Ich war in dem Moment zwiegespalten. Auf der einen Seite bestätigt, die Gewinne zu sichern und den Ausstieg zu wagen. Und auf der anderen Seite die Hoffnung, dass die wilde Fahrt weitergeht. Am Ende habe ich die Position geschlossen, mit praktisch keinem Restgewinn mehr.
Ich habe also in Summe absolut richtig gelegen. Gebracht hat es nichts, weil ich zu lange im Markt gewesen bin. Und um eine Erfahrung reicher, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich kannte den Effekt der impliziten Volatilität im Kleinen. Aber nicht so massiv, dass tausende Dollar an Gewinn einfach verschwinden – obwohl der Markt weiter fiel. Und diese Erkenntnis hat etwas mit mir gemacht. Einerseits fühlte ich mich auf einen Schlag ärmer. Was de facto nicht der Fall war. Ich hatte so viel wie Mitte Februar. Aber unrealisiert standen zwischenzeitlich andere Zahlen. Ich hätte andere Positionen handeln können, hätte ich meine Schäfchen ins Trockene gebracht. Und andererseits das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Ich konnte erstmal nicht weitermachen und die im April einsetzende Rallye ging auch an mir vorbei.


Schleichend führte dies dazu, dass ich das Gefühl entwickelte, der Markt sei mir entgangene Gewinne schuldig. Daraus resultierten Übertrading, falsche Positionsgrößen und schlichtweg die falschen Basiswerte.  Ich verlor die Struktur im Handel. Ich verfiel ähnlichen Verhaltensweisen, wie ich es bereits vor 2018 tat. Somit drehte ich mich im Kreis und habe fast 10 Jahre Entwicklung verschenkt. Nicht monetär, aber in der Entwicklung als Trader.

Ich lag richtig. Der Markt fiel. Und trotzdem war der Gewinn weg.

Warum ich trotzdem weitergemacht habe

Nach dem Erlebnis in 2020 habe ich mich irgendwie weiter durchgemogelt. Vereinzelte Gewinne, vereinzelte Verluste. Ich musste meine Struktur wiederfinden, aber wusste anfangs nicht genau, wie. Ich kann es auch hier nicht an bestimmten Daten festmachen. Die Idee, nur noch auf ETF-Sparpläne zu bauen, hat es gegeben. Aber am Ende konnte ich mich dazu nicht durchringen. Aber die Erkenntnis, dass ich keine konsistenten Ergebnisse erwarten kann, wenn ich inkonsistent trade, verdichtete sich immer weiter. Ich hatte keine verwertbaren Ergebnisse, da ich zwischenzeitlich sogar aufgehört hatte, meine Trades schriftlich zu fixieren. Ich hatte ja das Trade-Log des Brokers und die Kontoauszüge. Die ich, wenn nur sporadisch konsultiert hatte.

Ich musste an dem Wie arbeiten, damit ich wieder Ergebnisse bekam. Egal welcher Art. Aber ich musste wieder an dem Punkt kommen, wo ich zumindest erkennen konnte, welche konkreten Fehler ich begangen habe. Somit ein 180-Grad-Shift in meiner Struktur. Und es war nicht leicht, das tatsächlich umzusetzen. Drüber nachdenken ist leicht; es umzusetzen und auch die Fehler zu fixen ist schwer.

Ohne Struktur keine konsistenten Ergebnisse. Nicht einmal schlechte – einfach keine.

Wo ich heute stehe

Aus den Gedankenspielen nach 2020 folgte eine Rückbesinnung auf Basics. Keine Strategien mehr, die endlose Gewinne ermöglichen, wie es mit den Risk Reversals im Corona Crash der Fall war. Risikodefiniert, das heißt, entweder Spreads oder Cash Secured Puts. Dies vornehmlich auf Indizes, gerne auch intraday, fundamental starke Aktien und auch Futureoptionen unter Zuhilfenahme von Commitment-of-Traders-Daten und Saisonalitäten.


Wenn ich mich exakt daranhalte, erreiche ich verlässliche Profitabilität. Selbstverständlich auch mit Verlusten. Aber im Rahmen und nicht unerwartet – verlustlose Strategien gibt es schlichtweg nicht. Allerdings muss ich auch eingestehen, dass mich von Zeit zu Zeit die alten Gespenster im Griff haben und ich Trades außerhalb des Regelwerks eingehe. Zum Glück nicht ständig, sodass ich negative Impacts in den Griff bekomme. Aber dass ich dies bewusst erkenne und akzeptiere, ist ein nicht zu unterschätzender Mehrwert. Somit manage ich die eigene Inkonsistenz in engen Leitplanken.

Alte Muster kommen gelegentlich zurück. Der Unterschied zu früher: ich erkenne sie. Meistens rechtzeitig.

Warum OptionsWerk

Die Beweggründe für OptionsWerk sind, wie vielfach angerissen, vielschichtig. Sie sind von meinen eigenen Erfahrungen geprägt. Am Beginn meines eigenen Handels 2018 gab es keine deutschsprachige und zusammenhängende Informationsquelle für den Optionshandel, ohne die ich wesentliche Bestandteile des Wissens über kostenpflichtige Kurse erhalten hätte.
Dies ist bis heute so, auch wenn diese Nische wesentlich besser repräsentiert ist als noch vor acht Jahren. Wirklich tiefergehende Besprechungen von Strategien und Trades sind meiner Meinung nach unterrepräsentiert. Natürlich kann man auf englische Videos und Bücher zurückgreifen. Tatsächlich bieten die englischen Quellen eine Vielzahl an wissenswerten Informationen. Aber zum einen ist der Rückgriff auf fremdsprachige Quellen eine gewisse Hürde und zum anderen ist auch nicht jede Quelle, nicht jedes Buch ein Mehrwert.


Andererseits habe ich feststellen können, dass mir der Austausch über das Thema Börse und Optionen sehr viel Spaß bereitet. Durch Zufall hat mich ein Freund seinem Bekannten empfohlen, damit wir gemeinsam über die Basics und Einstiegshürden des Optionshandels sprechen. Daraus haben sich regelmäßige Austauschrunden entwickelt, die von einer sehr hohen Qualität geprägt sind. Aus dieser Erkenntnis ist der Wunsch gewachsen, diese Art hochwertigen Dialogs auf breitere Füße zu stellen. Man könnte die Frage stellen, wieso ich mich dann nicht direkt in Foren und Discord-Channels austausche. Die ist definitiv berechtigt. Allerdings sagt mir diese ausformulierte, so gesehen, langsamere Form des Dialogs sehr viel mehr zu. Keine kurzen Aussagen. Sondern wohl durchdacht und dosiert. Das, worüber ich sprechen würde, nicht was der Forumsthread an Diskussion vorgibt.

Es ist ein Versuch. Vielleicht klappt er, vielleicht nicht. Falls nicht, habe ich es versucht und bin auf dem Weg sicher nicht ärmer an Erfahrung geworden.
Daher lade ich dich ein, die Informationen, die dir helfen, in den Optionshandel zu kommen oder dich weiterzuentwickeln, hier auf dem Blog zu finden. Nutze gerne mein Trade Journal, speziell für den Optionshandel entwickelt. Du brauchst dich um keine Excel-Formeln zu kümmern.

Schreib mir gerne in die Kommentare, wie du zum Optionshandel gekommen bist oder was dich bisher abgehalten hat, einzusteigen.

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