Was ist eine Option?

Zu Beginn meiner Lernhistorie zum Optionstrading erinnere ich mich an einen Moment aus dem Videokurs von tastytrade. Tom Sosnoff brachte darin seiner Tochter den Optionshandel ohne Vorkenntnisse bei. Im Laufe der Lernkurve ging es darum, die erste Option zu handeln. Dies war dann ein Short Put auf eine beliebige Aktie. Warum ein Short Put – weil es zu Beginn leicht im Handling ist, was Risiko und Flexibilität angeht. Und an diesem Punkt hatte Sosnoff mich. Er kann niemals mit dieser Aussage Recht haben, dachte ich – viel zu risikoreich. Was, wenn die Aktie einfach fällt? Und nach und nach bin ich zu seiner Aussage gekommen. Der Short Put ist nichts anderes als eine Aktie mit begrenztem Aufwärtspotenzial. Und eine Aktie würde ich nun nicht als besonders riskant bewerten.


Und damit du diese gedanklichen Fallstricke direkt ausschließen kannst, sind dieser Artikel sowie der kommende Artikel gedacht. Dieser spezielle Artikel widmet sich den Rahmenbedingungen der Option selbst und der Artikel „Was ist eine Option wert?“ beleuchtet das Optionspricing und wie es sich zusammensetzt.

Call & Put – die zwei Grundbausteine

Um die Optionen in ihrer Gesamtheit vollständig zu durchdringen, muss man verstehen, dass es zwei Klassen von Optionen gibt. Calls und Puts. Die beiden Klassen kann man sich wie 2 Aktien vorstellen, die in ihrer Art und Weise Zwillinge sind. Allerdings profitiert der eine vom Verlust des anderen und umgekehrt.

Der Call

Ein Call bezeichnet eine Kaufoption. Sie räumt somit das Recht ein, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Dieses Recht wird nur dem Käufer der Kaufoption eingeräumt. Der Verkäufer der Kaufoption muss dem Käufer diesen Basiswert zum vereinbarten Preis verschaffen, sofern dies verlangt wird. Er hat die Pflicht.  Der Käufer entrichtet die Prämie, also den Optionspreis, und der Verkäufer erhält diese.
Warum kauft man eine solche Kaufoption? Grundsätzlich profitiert der Käufer von steigenden Kursen oberhalb des vereinbarten Kaufpreises. Man erhält den Basiswert dann günstiger als direkt über die Börse. Bleiben wir bei Aktien: Motive können langfristiger Aufbau von Stimmrechten oder einfach kostengünstige Partizipation am Basiswert sein. Hier kann der aktuelle Fall der Commerzbank und Unicredit genannt werden. Mittels Optionen wurden Preise gesichert, um Aktienpakete übernehmen zu können, auch wenn der Preis in Zukunft steigt.

Der Put

Als Put wird eine Verkaufsoption bezeichnet. Sie räumt dem Käufer der Verkaufsoption das Recht ein, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Der Verkäufer spekuliert auf sinkende Kurse, da er dem Stillhalter des Puts den Basiswert verkaufen könnte, wenn dieser an der Börse weniger wert ist. Dafür zahlt der Käufer die Optionsprämie. Der Stillhalter erhält diese.
Die Beweggründe zum Kauf einer Verkaufsoption sind einfacher. Bezogen auf den Aktienmarkt liegt hier ein klarer Absicherungsgedanke vor. Wenn wir an Versicherungen, Fondsgesellschaften und Stiftungen denken, soll verhindert werden, dass das Anlagevermögen bei Kursrückgängen wesentlich sinkt. Und durch Verkaufsoptionen lässt sich dies bewerkstelligen. Der Wert des Portfolios sinkt nur bis zum vereinbarten Basispreis.

Zur plastischeren Darstellung nutze ich reale Beispiele aus dem aktuellen Marktgeschehen. Dies dient als roter Faden, um alle wichtigen Punkte dieses und des nächsten Artikels zu beleuchten. Die genutzten Kurse beziehen sich auf Schlusskurse des 10.04.2026.

Basiswert Apple Inc. (Ticker Symbol AAPL)

Apple Inc. (AAPL) – Beispielposition Schlusskurs 10.06.2026
Kurs 260,85 $
Strike 255,00 $
Laufzeit 18.06.2026
Preis Call 16,00 $
Preis Put 9,23 $

In vorhergehenden Artikeln hatte ich ja bereits die Flexibilität von Optionen beleuchtet. So lassen sich mittels Calls und Puts dieselben Auszahlungsdiagramme aufsetzen. Die Chancen und Risiken sind identisch, nur die Optionen sind andere. Auf diese Spezifika werde ich in Strategie 101s in Zukunft vertieft eingehen.

Käufer Stillhalter
Long Call Käufer
↑ Bullisch
Du kaufst das Recht auf Kauf. Du zahlst die Prämie und erhältst das Recht, den Basiswert zum Strike zu kaufen – ohne Verpflichtung.
Max. GewinnUnbegrenzt
Max. VerlustPrämie
PrämieZahlen
Short Call Stillhalter
↓ Neutral bis bärisch
Du verkaufst das Recht auf Kauf. Du kassierst die Prämie und gehst die Verpflichtung ein, den Basiswert zum Strike zu liefern – falls der Käufer es verlangt.
Max. GewinnPrämie
Max. VerlustUnbegrenzt
PrämieKassieren
Long Put Käufer
↓ Bärisch
Du kaufst das Recht auf Verkauf. Du zahlst die Prämie und erhältst das Recht, den Basiswert zum Strike zu verkaufen – ohne Verpflichtung.
Max. GewinnBasiswert bis 0
Max. VerlustPrämie
PrämieZahlen
Short Put Stillhalter
↑ Neutral bis bullisch
Du verkaufst das Recht auf Verkauf. Du kassierst die Prämie und gehst die Verpflichtung ein, den Basiswert zum Strike abzunehmen – falls der Käufer es verlangt.
Max. GewinnPrämie
Max. VerlustBasiswert bis 0
PrämieKassieren
Käufer Stillhalter

Der Strike oder auf Deutsch Basispreis ist ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Option. Anders als bei Aktien kaufe ich nicht zum einen Kurs zu einer bestimmten Zeit. Sondern eine bestimmte Option zu einem bestimmten Basispreis. Im vorgenannten Beispiel mit Apple haben wir einen Strike von 255$ verwendet. Gleichermaßen gibt es aber auch viel mehr Strikes. 200$ oder auch 280$. Bei Aktienoptionen sind die Abstände mindestens ganzzahlig, je 1$ Abstand. Je teurer Aktien werden, desto größer können Abstände werden. Über 2,5$, 5$ hin zu 10$ sind gebräuchlich. Bei Future-Optionen hat jede Assetklasse andere Mindeststrikeabstände. Zum Beispiel Erdöl andere als Mais.

Die Auswahl des Strikes ist ein wesentlicher Bestandteil beim Handel von Optionen. Sie bestimmt direkt den Preis einer Option und implizit, wie wahrscheinlich sie bei Laufzeitende noch einen Wert hat oder nicht. Und hier kommt es auf die Perspektive an. Der Käufer einer Option muss die Optionsprämie zahlen. Dieser hat Interesse daran, dass die Option bei Laufzeitende in the money ist. Nur so erhält er mindestens einen Teil seines Invests zurück. Ist sie out of the money, verliert er sein Invest vollständig. Und das ist exakt das Interesse des Verkäufers, des Stillhalters. Mit dem wertlosen Verfall erzielt er seinen Profit. Grundsätzlich hat jeder Strike vier Preise. Jeweils einen Kauf- und Verkaufskurs pro Call und Put. Das verdeutlicht das nachfolgende Beispiel einer sogenannten Optionskette.

Exkurs: Moneyness

Optionen definieren sich immer daran, ob und wie weit sie im Geld sind. Zu unterscheiden sind die Begriffe out-of-the-money (OTM), at-the-money (ATM) und (deep-)in-the-money (ITM). ITM ist eine Option, wenn der Kurs des Basiswerts größer ist als der Strike (Call-Option) oder darunter liegt (Put-Option). Nur Optionen, die zum Laufzeitende ITM werden, werden nicht wertlos abgerechnet. Eine tiefergehende Analyse findet in „Was ist eine Option wert?“ statt.

Optionskette Apple AAPL Beispiel

Quelle: Barchart.com, Stand 11.04.2026
Optionskette der Apple Inc. für die Laufzeit 18.06.2026 mit ATM-Optionen

Der Verfall

Das Thema Laufzeit einer Option habe ich immer wieder fallen lassen. Jetzt ist der Moment gekommen, hier tiefer einzusteigen. Optionen haben bei ihrem Börsenlisting ein fixes Ablaufdatum – ohne Verlängerung oder Abkürzung, wie bei einem Knock-Out-Zertifikat.

Optionen europäischer oder amerikanischer Art

Die genannte Apple-Option ist amerikanischer Art. Diejenigen, die Put oder Call gekauft haben, können sie jederzeit während der Laufzeit ausüben. Selbst wenn diese nicht im Geld ist, auch wenn es möglicherweise nicht wirtschaftlich wäre. Aber das Recht bestünde. Demgegenüber stehen Optionen europäischer Art. Diese werden nur zum Verfall abgerechnet. Im Geld ist sie wert, und der Broker übt das Recht aus, ansonsten verfällt diese. Europäisch bezieht sich hier auch nicht auf die Region, wo Optionen gehandelt werden, sondern ist eine historische Referenz. Aktienoptionen, egal ob von europäischen oder amerikanischen Unternehmen, sind amerikanischer Art. Indexoptionen hingegen werden nach europäischer Art gehandelt.

Die Apple-Optionsserie, die wir weiter oben verwendet haben, wird zum Börsenschlusskurs des 18.06.2026 final abgerechnet. Die Käufer eines Calls oder Puts haben bis zu dem Zeitpunkt die Möglichkeit, ihr Recht an der Option, also Kauf oder Verkauf, ausüben zu können. Sofern ihre Option am Tag der Abrechnung sich im Geld befindet, wird diese vom jeweiligen Broker automatisch ausgeübt. Andernfalls ist sie wertlos und wird ausgebucht.

Und welche Laufzeiten gibt es? Das hängt vom jeweiligen Basiswert ab und davon, wie viel Liquidität im Markt ist. Exotische Futuremärkte können Verfallstage einmal pro Quartal haben – meist am dritten Freitag des Monats. Steigt die Liquidität, werden mehr Verfallsserien von den Börsen gelistet.  Apple ist einer der liquidesten Titel, die es im Bereich Optionen gibt. Hier gibt es auch monatliche, wöchentliche sowie tägliche Verfallsserien. Das heißt allerdings nicht, dass diese Serien von Beginn an verfügbar sind. Beispielsweise ist es dann üblich, auf Sicht von ein bis zwei Jahren in der Zukunft einen Verfall pro Quartal zu haben, innerhalb des Jahres dann den monatlichen Verfall und im letzten Quartal dann den wöchentlichen. Nach der Logik strukturiert es sich. Und bis auf tägliche Verfallsreihen ist in der Regel der Freitag der letzte Tag der Handelswoche. Falls diese Verfallstage auf Feiertage fallen, entfallen diese komplett. Je näher der Verfallstag rückt, desto weniger Zeitwert enthält eine Option. Ist diese nicht im Geld, wird diese dann annähernd wertlos. Das Thema Optionsbepreisung vertiefen wir im nächsten Artikel noch weiter.

Die Prämie

Identisch mit dem Aktienhandel gibt es beim Optionshandel einen Geld- und einen Briefkurs. Der Stillhalter bekommt den niedrigeren Geldkurs und der Käufer zahlt den höheren Briefkurs. In Abhängigkeit von der Liquidität kann es sich dabei um einen Cent handeln oder im schlimmsten Fall um ganze Dollarbeträge. Wie wir es an der Börse gewohnt sind, findet während der Handelssession eine durchgehende Wertfeststellung statt. Das gibt sowohl Käufern als auch Verkäufern die Möglichkeit, ihre Position durch das Eingehen der Gegenposition zu schließen. Wenn wir uns nochmal die Optionskette aus dem Kapitel Der Strike anschauen, sehen wir genau das. Schauen wir uns zur Veranschaulichung nur den 255$-Put an. Der Verkäufer hätte am 10.06.2026 8,95$ erhalten, der Käufer hätte 9,20$ zahlen müssen.

Und dieser Preis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Fangen wir mit den logischen Bestandteilen an. Zunächst bestimmt der Preis die Höhe einer Option. Je teurer eine Aktie, ein Index oder ein Future ist, desto höher ist auch der Preis einer Option. Dann spielt auch die Restlaufzeit eine gewichtige Rolle. Je länger diese ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese am Ende werthaltig sein könnte. Folgerichtig ist sie teurer. Kommen wir zur Volatilität. Je höher diese ist, desto mehr schwankt der Basiswert und die Chance, dass die Option in-the-money geht, steigt.

Sofern dich das Thema weiter interessiert, vertiefen wir dies ausführlicher in Was ist eine Option wert sowie in dem künftigen Artikel „Die Griechen“

Die Kontraktgröße

Wusstest du, dass die Prämie, die wir im vorherigen Kapitel besprochen haben, nicht die sein würde, die du erhältst oder zahlen musst? Das Zauberwort lautet hier Kontraktgröße. Für US-Aktienoptionen beträgt diese standardmäßig 100 Einheiten. Eine Option bezieht sich auf 100 Aktien, die gekauft oder verkauft werden, je nach Optionsart. 100 ist damit der Multiplikator für den Preis. Der Stillhalter erhält also 895$ und der Käufer muss 920$ zahlen.
Die 100er-Kontraktgröße ist aber nur für Aktien der Standard. Andere Märkte können auch 100 haben. Oder eben andere Werte. Deshalb ist es besonders wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wenn man neue Assetklassen handeln möchte.

Wenn wir uns im Bereich der Futures-Optionen bewegen, ist es einerseits einfach. Jede Futures-Option bezieht sich genau auf einen Future, den man kauft oder verkauft. Die Krux ist hier der Multiplikator, der ähnlich ist wie die 100er-Kontraktgröße bei Aktienoptionen. Viele Futures haben hier unterschiedliche Multiplikatoren und diese werden teilweise in US-Cent oder US-Dollar angegeben. Es ist unerlässlich, die Spezifikationen des Basiswertes zu überprüfen.

Fazit & Ausblick

Mit diesem Artikel haben wir gemeinsam den Grundstein zum Verständnis von Optionen gelegt. Du weißt nun, welche Fallstricke warten können. Die Unterscheidungen zwischen Call und Put sind gesetzt, Rechte und Pflichten sind definiert. Außerdem kennst du Besonderheiten bei den Optionsverfällen und weißt, dass jede Assetklasse eine unterschiedliche Kontraktgröße aufweisen kann oder einen abweichenden Preismultiplikator aufweisen kann.


Wie bereits in den Kapiteln angedeutet, wird sich der kommende Artikel vollständig dem Optionspreis widmen. Ich zeige dir die Unterscheidung zwischen innerem und Zeitwert inklusive der Einordnung zwischen out-of-the-money, at-the-money und in-the-money.


Schreib mir gerne in die Kommentare, ob dieser Artikel dir geholfen hat und welche Beobachtungen du möglicherweise bereits gemacht hast.

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